
christian zimmermann
"skulpturen"
9. dezember - 20. januar 2012
EISEN ist das existenziellste Element, ein Metall auf dem viele Lebensgrundlagen bestehen. So hält der Erdkern, der aus 6000 Grad heissem Eisen besteht, durch seine Schwerkraft die Atmosphäre hier und lenkt mit seinem Magnetfeld die gefährlichen Sonnenwinde ab. Eisen ist somit die Hauptmasse der Erde und das 4. häufigste Element in der Erdkruste. Eisen katalysiert durch seine Bindefähigkeit viele Giftstoffe die durch Wasser ausgeschwemmt werden, so zum Beispiel Arsen und neutralisiert so unsere Umwelt.
Der rote Rost ist eigentlich ein Lebenssymbol, sind wir doch Eisenatmer. Das zentrale Atom im Hämoglobin des roten Blutes, ist Eisen und es transportiert den Sauerstoff.
Das erste reine Eisen war Meteorstahl (Himmelsmetall). Erst später konnte man es aus Erzen schmelzen. Der kulturgeschichtlich frühe Schmied fertigte Werkzeuge, Waffen, Verbindungselemente sowie Schmuck. Aus der Fähigkeit Werkzeuge zu benutzen entstand die Technologie, der Schmied gilt als Vater dessen.
Das meiste Eisen wird heute als Armierstahl gebraucht. eisen gilt als spirituell und mächtig. Es wird dem Planeten Mars zugeordnet, hat eine Dichte von 7,85 und einen Schmelzpunkt von 1560 Grad Celsius.
Schmieden von Eisen ist eine Formgebung im Temperaturbereich von 800 bis 1300 Grad Celsius, wird es stärker erhitzt verbrennt es. Mit Schlägen wird das Eisen in neue Formen und Gefüge gebracht. Von Hand zwischen Hammer und Amboss oder mittels Maschinen, Kraft mit dem Lufthammer oder den Wasserhämmern. Das Werkzeug, die Glühdauer und der Arbeitsablauf stehen im Fokus, die Umsetzung ist konzentriert, impulsiv und spontan. ` Schmiede das Eisen solange es heiss ist `
Die Schmiedetechniken sind :
Stauchen - Ausschmieden - Biegen - Absetzen - Verdrehen - Lochen - Spalten - Feuerschweissen.
Zusätzlich werden meine Werke noch mit Meissel und Punsen geprägt. Übriges Material abgetragen mit dem Brennschneider, Fräser, verschiedenen Schleifern und Schleifmitteln, sowie poliert. Ganz zuletzt wird so eine Skulptur noch mal lange im Feuer geglüht , gebürstet und mit einem Hochtemperaturwachs heiss versiegelt. Um gut schmieden zu können, braucht es viel Übung und Vorstellungsvermögen sowie Freude an der transformierenden Kraft des Feuers.
Die Philosophie meiner Arbeit ist auch, dass mein Handwerk als Schmied Massstab und Basis sind. Davon nicht zu trennen und ohne unmöglich. Die Möglichkeit meiner Kunst ist getragen von der Virtuosität meines Könnens. Durch Schmieden kann ich den Materialquerschnitt verändern. In den Raum hinauszeichnen und so die Dimension weiten. Wenn möglich, fertige ich meine Skulpturen aus einem Stück Eisen, dort liegt für mich der Gedanke des Wachstums. Energie und Geist schaffen Materie.
Es gibt keine Skizze oder gar einen Plan, die Herangehensweise ist eher intuitiv, spontan. Eigentlich ist alles ganz einfach, ich suche mir zuerst ein passendes Eisen und erhitze es in der Esse, um es das erste Mal zu schmieden.
Die Auseinandersetzung mit der Thematik ist dann komplex, manchmal gar paradox.
Ein Wechselspiel von Emotionen und Ansprüchen im Abgleich mit Realitäten und Idealen. Manchmal ist es von spielerischer Leichtigkeit, man spürt, dass es gelingen kann, die Phantasie dehnt sich in den Raum und schafft Möglichkeiten, dann wieder harzt es bis zur Gehässigkeit.
Beim Arbeiten bin ich fast immer allein, ertrage keine Gesellschaft die meine Konzentration ablenkt. Die Arbeit kann körperlich sehr Anstrengend sein, oft stosse ich dann bei der materiellen Umsetzung an die Grenzen des mir Möglichen.
Man muss sich einlassen auf Feuer, Wasser, Luft und Metall, ein Wechselspiel mit den Elementen. Alles fliesst, ist immer in Bewegung, bis man beschliesst dass es fertig ist.
Zu meiner Interessenlage, die die schöpferischen Impulse in die Werke bringt, gehören sicher die liebe zur Natur, im besonderen zum Menschen in seiner körperlichen und transzendenten Strukturen. Die Einzigartigkeit und Erhabenheit dessen kann eine Skulptur erahnen lassen und Eisen ist mein Sprachmittel. Ein Metall das ich schon seiner Masse wegen, gerne in den Händen halte. Man spürt, ich spüre, wie es sich wandelt, reagiert. Ich glaube, dass Alles, auch die Dinge ein Bewusstsein haben, getragen von einer kreatürlichen Kraft und Unendlichkeit.
In meinen Skulpturen klingen sicher auch kulturelle und künstlerische Zitate an, ethnologisches, archaisches Erbe dringt durch und verbindet sich mit uns. Unsere Emotionen werden assoziativ geladen und strukturiert, die Zeit ist anders. Mein Arbeiten ist von Begeisterung getragen, ich schaffe mit Lust, die mich treibt, aber oft auch dankbar macht.
Christian Zimmermann
kontakt:
mkoller@riss.ws
tel. 081 852 55 58